Das Wort zum Sonntag

Der Migrantenexpress ist etwas ins Stocken geraten. Ein Unentschieden gegen Polen. Boateng war der Beste auf dem Platz. Fein! Boatengi. So nennen ihn die brasilianischen Kommentatoren. Fabian geht hier auch nicht. Fabio oder Fabiano. Aus Müller wird Miller. Aus Raider wurde Twix. Und aus Wut wurde Hass. Mord. Den Brexit-Gegnern hat es jedenfalls genützt. Erschossen. Einer von vielen. Täglich. Überall auf der Welt.

Hier in Rio tobt auch ein Krieg. Drogendealer gegen Polizei. Erstere haben immer leichteres Spiel. Korruption ist ein akzeptiertes Mittel. Man darf es nur nicht zu sehr übertreiben. Die Stadt ist pleite. Der Bundesstaat ist pleite. Pleiten, Pech und Pannen. Polizisten ohne Gehalt, sind wie Tofuwurst auf dem Grill. (Ent-)Täuschung überall. Olympiade 2016. In Brasilien ist auch wenige Wochen vor diesem Großereignis die Stimmung auf einem Tiefpunkt. Nicht unbedingt nur wegen der Olympiade. Das ist speziell in Rio natürlich ein großes Thema. Aber in krisenhaften Zeiten wie diesen, denken Menschen nicht nur hier, über die Sinnhaftigkeit solcher Auswüchse der Gesellschaft nach. Wozu braucht die Menschheit Olympiaden? Weltmeisterschaften? Formel  1? Wann kann der Welthunger besiegt werden?

Was für ein Spektakel. 22 (angehende) Millionäre fahren mit ohrenbetäubendem Krach durch Baku. Live übertragen im TV. Ölbetriebene und unvorstellbar wertvolle Kisten zischen über den Asphalt. 400 Millionen schauen dabei weltweit zu. Über 700 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen. Statistiken sind grausam. Deshalb mag die auch niemand. The Show Must Go On! Alles erfassen tut so eine Statistik ja eh nicht. Oft kann man nur schätzen. Unterschätzen kann tödlich sein. Überschätzen auch. Am Ende sterben wir alle. Unser Körper. Damit das Ego. Beruhigend.

Wir dürfen annehmen, dass selbst Adolf Hitler oder Josef Stalin als Baby genauso süß waren, wie die anderen Kinder im Nachbarbettchen. Mutter Teresa. Sie bekam den Friedensnobelpreis. Und wird demnächst posthum wohl heiliggesprochen. Egos entwickeln sich je nach Umwelt also unterschiedlich. Das können wir anhand solch drastischer Beispiele super beobachten. Die Frage nach dem Warum treibt viele in den Wahnsinn. Wissenschaftler versuchen zu ergründen was geschehen ist. Psychologen und Soziologen. Sogar Theologen. Am Ende stellen sie alle fest, es ist geschehen. Einfach so. Bravo! Die Kausalketten sind unendlich. Ein Staubkorn führte wohl am Ende zum Aussterben der Dinosaurier. Haha. Glück für uns Menschen. Und Stalin.

Ein KZ-Aufseher wurde schuldig gesprochen. Kurz vor seinem Tod. Schuldig? Geht das denn überhaupt? Das Grauen ist überall. Holocaust, Völkermord in Armenien, Formel 1 und Hungertot. Aber wer ist daran schuld? Wer hat Schuld an all dem, was passiert auf dieser Welt? Du? Ich? Gott? Jeder hat seine eigene Antwort. Ich bin seit kurzem weg vom Gedanken der Schuld. Denn alles passiert ja so, wie es passieren muss. Keine Chance etwas dagegen zu tun. Das macht es in vielen Situationen enorm leicht. Negative Emotionen und Gedanken. Sie tauchen zwar immer noch auf. Wut. Trauer. Verzweiflung. Angst. Man kann sein Ego nicht loswerden. Aber nachdem diese Emotionen da waren, ist relativ schnell wieder Frieden. Keine Qual. Keine Rache. Niemand hat Schuld. Beruhigender Gedanke. Gedanken kommen. Gedanken gehen. Denke ich bewusst Gedanken? Mit Absicht? Schuldig? Woher kommen eigentlich Gedanken? Warum kann ich nie aufhören zu denken? Wenn ich der Denker meiner Gedanken bin, sollte es doch einfach sein, nicht zu denken! So ein paar Stunden. Oder einen Tag. Klappt nicht. Mist!

Ich gehe jetzt besser mal joggen. Den Kopf frei bekommen. Copacabana rauf und runter. Traumstrand, Traumkörper und das leichte Leben. Da, wo immer die Sonne scheint. Und die Menschen alle glücklich sind. Wunschgedanken.

Hinterlasse einen Kommentar