Endlich gibt es mal wieder etwas, wo jeder eine Meinung hat. Der Regenwald am Amazonas brennt und damit kochen auch die Gemüter weltweit hoch. Franzosen gegen Brasilianer. Bolsonaro gegen Umweltschützer. Menschen gegen Menschen. Das also ist die Krönung der Schöpfung? Liegt es am geringen Sauerstoffgehalt, oder warum überschlagen sich die dämlichen Posts diesbezüglich auf Facebook und Instagram gerade?
Wem gehört dieser Wald? Den Europäern, welche Ihn ja irgendwann entdeckt haben und sich dort ansiedelten? Den Indianern, weil sie lange vor den Einwanderern schon dort waren? Oder den heutigen Brasilianern, weil die Grenzen des Landes einen großen Teil der Bäume umrahmen? Man kann es drehen wie man will, irgendwie gehört er am Ende allen und doch auch niemanden. Und wenn man mal tief einatmet und wieder etwas mehr Sauerstoff ins Gehirn lässt, dann ist es doch letztendlich völlig egal. Es brennt lichterloh und niemand wird das Problem in den nächsten Jahren nachhaltig lösen können. Die größten Waldflächen hat Russland und auch dort brennt es in diesem Jahr ungewöhnlich viel. Wat fott es, es fott, sagt man im Rheinland.
Plan B kann daher ja nur Aufforstung an anderen Stellen der Erde sein. Wir „westlichen“ Menschen überblicken jedoch nicht mal unsere eigenen, schon relativ akuten Probleme. In Europa sind die Äcker seit Jahren mehr als nur ausgelaugt. Selbst wenn man da noch soviel Jauche drauf kippt, es wird nicht besser. Ein ziemlich unpraktischer Nebeneffekt der Überdüngung ist, dass das Grundwasser unbrauchbar wird. In einigen Gebieten Deutschlands bohrt man jetzt schon die letzte Instanz an. Gebannt schaute man in den letzten Jahren nach Südafrika, wo das Wasser drohte auszugehen. Total schockierend, aber zum Glück ja auch total weit weg. Dem vorbeifahrenden Güllewagen vor der eigenen Tür, winkten währenddessen lustig die Kinder hinterher. Total verrückt!
Man könnte doch diese vielen nutzlosen Agrarflächen in Europa für etwas sinnvolles verwenden und stattdessen seinen eigenen kleinen Urwald züchten. Die arbeitslosen Landwirte bekommen alle ein bedingungsloses Grundeinkommen und liegen faul im Schatten unserer zukünftigen Urwald-Riesen herum. Das ist immer noch billiger als die Agrar-Subventionen, welche momentan ohne jeglichen Skrupel verschwendet werden. 300 Milliarden Euro werden jedes Jahr in der EU ausgezahlt, damit z.B. Milch produziert wird, die am Ende keiner konsumiert.
Immerhin knapp über 30% Deutschlands sind noch Waldflächen. Wenn wir zukünftig die ganzen Agrarflächen wieder mitbenutzen würden, ließe sich das mehr als verdoppeln. Okay, selbst das wären nicht mal 1% der Gesamtwaldfläche auf der Erde. Aber einer muss ja mit gutem Beispiel vorangehen. Und mit Peter Wohlleben, interessieren sich viele Menschen ohnehin heutzutage eher am geheimen Leben der Bäume, denn an der Aufzucht von zukünftigen Schweinshaxen.
Und mal so ganz unter uns. In hundert Jahren ohne Landwirtschaft würden unsere Böden vermutlich wieder relativ gut intakt sein und die Grundwasserverorgung wäre gesichert. Bis dahin gleicht der Amazonas sicherlich einem Ödland und Trumps Nachfahren bauen Wein auf Grönland an. Aber wer will und kann schon soweit denken? Greta ist in New York angekommen, Flüchtlinge auf dem Mittelmeer und Landtagswahlen stehen ja auch vor der Tür. Das ist einfach viel zu viel. Mir wird auch auf einmal ganz schwindelig. Qualm, Gülle, oder ist es vom Wein? Ich gehe besser mal an die frische Luft. Solange es sie noch gibt.
Ick meld ma!
Bäume sind offensichtlich vernünftiger als wir, sie streben immer nach dem Licht.
Anke Maggauer-Kirsche