Niemandsjahr

Das Jahr 2020 geht so langsam ins Finale. In Europa jagt man in vielen Ländern neuen Rekordzahlen hinterher, was die Infektionen mit dem Coronavirus angeht. Ich habe ja irgendwie den Eindruck, man hat die Kontrolle bereits verloren. Genau das sollte eigentlich nicht geschehen, aber überraschen tut es so richtig auch niemanden. Die Geduld vieler Menschen in Hinblick auf fortgesetzte Einschränkungen ist am Ende, die Devise lautet nun, Mund auf, Augen zu und durch.

In den USA stehen die Wahlen vor der Tür. Auch kein Zuckerschlecken. Man schlägt die Zeitungen wohl besser gar nicht mehr auf. Inwieweit sich Donald Trump am Ende wirklich im Weißen Haus verschanzt und rausgetragen werden muss, wird sich zeigen. So richtig warm wird man jedoch leider auch mit dem Gegenkandidaten nicht. Warum gibt es da keine jungen Kandidaten vom Schlag JFK? Oder gar eine junge Frau? Undenkbar offensichtlich. Die Infektionszahlen bleiben von der Ost- bis zur Westküste weiterhin stabil hoch und man hat den Eindruck, eine Herdenimmunität wird man dort wohl am schnellsten erreichen.

Hier in Kenia bleibt es bei der bewährten Strategie: Wenig testen und langsam alles wieder hoch fahren. Bei einer hohen Positivrate von um die 10% bei den Covid-Tests, erscheint die Panik in Deutschland schon fast ein wenig lächerlich. Gut hier haben etwa 3% das 60. Lebensjahr überschritten, in Deutschland sind wir bei 18%. Die Gefahr von schweren Verläufen ist in Europa insgesamt weitaus höher als in Afrika. Dafür verhungern die Menschen hier, wenn die Wirtschaft nicht läuft und niemand mehr Arbeit hat. Das geht in die Statistik der Covid-Toten natürlich gar nicht ein. Daher hinken alle möglichen Vergleiche an der Stelle ganz gewaltig und man sollte sie besser direkt verwerfen. Am Ende wird es aber wie immer darauf hinauslaufen, dass Afrika als großer Verlierer da steht.

Ja und dann war da ja noch was am 3. Oktober. 30 Jahre Deutsche Einheit! Das ging in diesem Jahr bei den meisten unter. Wie so vieles. Ich selbst habe immerhin einige Dokumentationen rund um den Mauerfall geschaut. Das Niemandsland ist meinen Kindern schon gar kein Begriff mehr. Dafür weiß ich nicht was „Discord“ ist. Fair enough. Aber es ist für mich ja wenigstens relativ leicht zu erklären. Das Niemandsland ist ungefähr das Gleiche wie das Jahr 2020: Ein Abschnitt zwischen zwei völlig verschiedenen Welten.

Ick meld ma!

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