Cidade Maravilhosa

Schland befindet sich im Freudentaumel.

Unser Spanier trifft zum hochverdienten Siegtreffer. Der Oldie unter den Migrantenkids. In Stuttgart ist man da nun schon etwas weiter. Migranten sind vielleicht doch ganz ok? Hauptsache keine Semiten. Gedeon. Pogrom. Irgendwie klingt das ja alles auch relativ ähnlich. Putin grummelt. Erdogan tobt. VW ein Trümmerhaufen. Sommerloch.

Hier auf der anderen Seite der Erde haben wir den kürzesten Tag des Jahres überstanden. Es geht also aufwärts. Heute möchte ich einmal eine Lanze für Rio de Janeiro brechen. Die wunderschöne Stadt. Direkt am Meer mit unzähligen Stränden. Dahinter die Millionenstadt. Mit endlosen Wohnblocks. Durchbrochen von bis zu eintausend Meter hohen Bergen. Bewaldet. Mata Atlântica. Bewohnt von unzähligen Pflanzen und Tieren. Und natürlich auch von Menschen. Die Favelas wachsen an den steilen Berghängen nach oben. Scheinbar unaufhaltsam. Auch heute noch. Inzwischen leben in der Stadt offiziell etwa 6,5 Millionen Menschen. Inoffiziell wohl mehr. Was natürlich Probleme mit sich bringt.

Die Kluft zwischen Arm und Reich ist unübersehbar. Ich habe Apartments mit über 1000 Quadratmetern gesehen. Und Kinder, die auf der Straße leben. Ohne Bett. Ohne Dusche. Ohne Chance. Copacabana und Ipanema waren, gerade im letzten Jahrhundert, der Inbegriff vom leichten Leben. Sand und Meer. Spärlich bekleidete Damen. Caipirinhas. Ein Paradies. Wer mit dieser Erwartung heute hierher kommt, wird herb enttäuscht. 1200 Morde im letzten Jahr. Ein Fortschritt wie man allgemein hört. In ganz Deutschland waren es in dieser Zeit keine 300. Es herrscht rund um die Uhr die latente Gefahr, ein Opfer von Straftaten zu werden. Diebstahl. Raub. Entführung. Querschläger verletzen oder töten quasi täglich Unbeteiligte. Fünfmal so viele Verkehrstote wie in Deutschland. Tropenkrankheiten. Die Liste an negativen Aspekten ist lang.

Aber dennoch kann man diese Stadt lieben. Wenn man sich darauf einlässt. Einlassen kann. Auf die Natur. Auf die Bewohner. Auf das Leben. Angenehm laue Nächte. Samba und Karneval. Lebensfreude! Trotz aller Probleme gibt es hier auch diese. Oder vielleicht gerade deswegen? An Orten wie diesen nimmt man die Dualität des Lebens besonders stark wahr. Ohne Licht kein Schatten. Ohne Armut kein Reichtum. Ohne Tod kein Leben.Und je länger man hier lebt, umso mehr begreift man, wie alles zusammenhängt. Und kann über die Probleme in der „Heimat“ oft nur lachen. Oder weinen. Dual.

Und dafür danke ich dieser Stadt.

Cidade Maravilhosa!

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