Walking Dead

Der Tod steht uns allen noch bevor. Alles was wir uns jetzt aufbauen, was wir mühsam versuchen im Leben zu erreichen, die unzähligen Träume denen wir hinterher jagen, all das wird mit unserem Tod auf einen Schlag bedeutungslos!

Ob Bundespräsident, Manager oder Putzkraft, alle erwischt es irgendwann. Vielleicht in einer Minute, vielleicht in 20 Jahren. Der Doktortitel, das Bankkonto und alle andern „weltlichen“ Dinge haben ab diesen Moment für uns keine Bedeutung mehr. Mit unserem Tod erlischt unsere Welt. Alles was man besessen hat, wird verteilt oder entsorgt. Selbst die so geliebte Sammel-LP mit nur 300 existierenden Exemplaren weltweit, sie landet im schlechtesten Fall einfach nur im Müll.

Alle Freunde, die Familie und der geliebte Kater Tom, Sie sind mit einem Schlag weg. Zurück im sogenannten „Leben“, bleiben womöglich traurige Angehörige, aber das tangiert uns auch nicht mehr. Es ist ja alles nicht mehr da. Ja sogar unser Körper ist auf einmal weg. Das Gesicht, an welches man sich über Jahre mühsam im Spiegel gewöhnt hatte, einfach weg. Unser Name erscheint in Ausnahmefällen noch einige Jahrhunderte in diversen Geschichtsbüchern. In den meisten Fällen werden wir, bzw. das was wir glauben zu sein, ziemlich schnell verschwinden, aus den Köpfen der anderen Menschen. Es ist so schwierig zu begreifen, dass das Leben eigentlich überhaupt keinen Sinn hat. Alles was man sich im Leben aufbaut würde nur einen Sinn ergeben, wenn man unsterblich wäre. Unser Ego und der dazugehörige Körper müssten für immer existieren. Tun Sie aber nicht. Blicken wir daher der Wahrheit besser direkt ins Auge. Und die ist, der unaufhaltsam nahende Tod! Die gut gemeinte Idee, Dinge oder Traditionen zu vererben, ist mit Blick auf das bevorstehende Sonneninferno, auch totaler Quatsch. Alles was wir in unserem Leben so veranstalten geschieht wohl nur, aus der tief in uns sitzenden Angst vor dem Tod. Die Vorstellung kurz vor seinem Tod auf ein erfülltes Leben zurückblicken zu können ist sehr beruhigend und weit verbreitet. Es gibt so viele, die ihr ganzes Leben damit verbringen auf diesen einen Moment hinzuarbeiten, diesen entscheidenden Moment kurz vorm Tod. Tja, wann ist das aber genau und wieviel Zeit bleibt mir eigentlich bis dahin? Gestern noch war alles in Ordnung und du träumtest vom Lebensabend im gemütlichen Eigenheim. Die Diagnose heute im Krankenhaus schlägt dir wie eine Ohrfeige ins Gesicht.

Was ist ein erfülltes Leben? Von einem Meeting ins nächste hetzen, um möglichst viel Geld zu verdienen? Für das schicke Auto und den Jahresurlaub mit Frau und Kindern. Auf einer schönen Insel in der Südsee. Wunderbar. Die Ehefrau reißt sich in diesen, ach so glücklichen, Urlaubstagen zusammen und verdrängt die Gedanken an Ihren knackigen persönlichen Fitnesstrainer. Mit dem sie sonst regelmäßig das Bett teilt, während der Mann die Sekräterin zum Essen einlädt. Die Kinder wären auch lieber zu Hause geblieben, anstatt gelangweilt am Strand herumzuliegen. Und ausgerechnet kurz nach der Ankunft im All-Inclusive-Ressort bekommt man dann auch noch einen Hexenschuss. Das ist ein erfülltes Leben? Klingt für mich alles eher nach einer ziemlich anstrengenden Geschichte. Ein erfülltes Leben ist leider nur eine Utopie. Es kann höchstens erfüllte Momente geben und die genau immer nur aktuell im Hier und Jetzt. Unser jeweiliges persönliches erfülltes oder aber auch unerfülltes Leben, es ist lediglich ein in unserem Gehirn zusammen gestricktes Konstrukt aus Erinnerungen. Sobald die Blutversorgung dieses bemerkenswerten Organs ausgesetzt hat, ist alles weg. Für immer. Und das verstehen die meisten Menschen erst kurz vor Ihrem Tod. Und genau dann gibt es plötzlich viele solcher erfüllten Momente. Wenn man einen Vogel am Fenster beobachtet. Wenn der Schmerz nachlässt. Wenn die Angst verschwindet.

Ich persönlich habe mich mittlerweile mit der Tatsache angefreundet, dass wir alle bei genauerer Betrachtung zeitlebens tot sind. Quasi Zombies. Aus irgendeiner Quelle (=Bewußtsein) in einen Körper manifestiert mit der Gewissheit, irgendwann wieder zurückzukehren zu diesem Ursprung. Nur wer den Tod akzeptiert, kann das Leben wahrhaftig lieben und glücklich sein.

Ick meld ma!

Wie hört man auf, Zeit zu erschaffen? Erkenne zutiefst, dass dein ganzes Leben sich im gegenwärtigen Moment abspielt. Stelle das Jetzt ins Zentrum deines Lebens. Während du vorher in der Zeit gelebt und dem Jetzt nur kurze Besuche abgestattet hast, verbleibe von nun an im Jetzt und statte der Vergangenheit und Zukunft kurze Besuche ab, wenn das nötig ist, um mit den praktischen Aspekten deiner Lebenssituation umzugehen. (Eckhart Tolle)

 

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